Die meistgestellte Frage in der Bestandsaufnahme lautet: „Geht das bei meinem Altbau überhaupt — eine Wärmepumpe?" Die Antwort überrascht die meisten: Technisch geht sie fast immer. Die richtige Frage ist nicht ob, sondern bei welcher Temperatur — denn die entscheidet, ob die Wärmepumpe günstig läuft oder ein Leben lang Strom frisst.
Was wirklich entscheidet
Eine Wärmepumpe nimmt Wärme aus der Luft und „pumpt" sie auf die Temperatur, die Ihre Heizung braucht. Je höher diese Zieltemperatur — die Vorlauftemperatur des Heizwassers —, desto härter muss die Pumpe arbeiten und desto mehr Strom zieht sie. Genau das misst die Jahresarbeitszahl (JAZ): Wärme heraus geteilt durch Strom hinein. Eine JAZ von 4 heißt, aus einer Kilowattstunde Strom werden vier Kilowattstunden Wärme.
Und hier liegt der Punkt: Die Vorlauftemperatur hängt nicht am Heizungsfabrikat, sondern an Ihrem Haus — an den Heizflächen und der Dämmung. Große Heizkörper oder eine Fußbodenheizung geben dieselbe Wärme bei niedrigerer Temperatur ab. Eine gedämmte Hülle braucht ohnehin weniger. Beides senkt die Vorlauftemperatur, hebt die JAZ und drückt die Stromrechnung — bei exakt derselben Wärmepumpe.
Nicht das Baujahr entscheidet, ob sich die Wärmepumpe lohnt — sondern die Temperatur Ihres Heizwassers.
Modellrechnung
Ein- und dasselbe Haus, ein- und dieselbe Wärmepumpe, 25.000 kWh Heizwärmebedarf im Jahr (Richtwert unsaniertes Einfamilienhaus). Variiert wird nur die Vorlauftemperatur — und damit die Jahresarbeitszahl. Strompreis 0,28 €/kWh.
| Vorlauftemperatur | JAZ (Richtwert) |
Stromkosten pro Jahr |
|---|---|---|
| 55 °C — alte, kleine Heizkörper | 2,8 | 2.500 € |
| 45 °C — größere Heizkörper | 3,5 | 2.000 € |
| 35 °C — Flächenheizung / gedämmt | 4,2 | 1.667 € |
Über 20 Jahre summiert sich der Unterschied auf rund 16.700 € — allein über die Vorlauftemperatur. Zum Vergleich: Eine fossile Heizung läge bei diesem Bedarf grob bei 3.300 €/Jahr; selbst der ungünstige Wärmepumpen-Fall (2.500 €) liegt darunter. „Lohnt sich" heißt also meist ja — die Frage ist, wie gut.
Die JAZ-Werte sind Richtwerte zur Veranschaulichung des Zusammenhangs, keine Anlagenzusage; die reale Jahresarbeitszahl hängt von Wärmepumpe, Auslegung und Nutzung ab (vgl. Fraunhofer-ISE-Feldstudien). Heizwärmebedarf und Strompreis sind angenommen. Die korrekte Auslegung erfolgt über eine Heizlastberechnung nach DIN EN 12831 — und nicht über eine Faustformel.
Was Sie damit erreichen
Wenn die Temperatur entscheidet, dann ist sie auch Ihr Hebel. Drei Maßnahmen senken sie — und jede hebt die JAZ: größere Heizflächen (einzelne Tausch-Heizkörper statt kompletter Fußbodenheizung reichen oft), eine besser gedämmte Hülle und ein hydraulischer Abgleich, der die Wärme dorthin lenkt, wo sie gebraucht wird. Genauso wichtig ist, was davor steht: eine Heizlastberechnung nach DIN EN 12831, damit die Pumpe nicht zu groß gewählt wird — denn eine überdimensionierte Wärmepumpe taktet, verschleißt und kostet doppelt. Beides — der richtige Hebel und die richtige Größe — beginnt mit einer vollständigen Aufnahme Ihres Hauses, nicht mit einem Angebot von der Stange.
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