In Beratungsgesprächen steht die Heizung gerade zuerst auf dem Zettel. Die Debatte um das Gebäudemodernisierungsgesetz hat den Eindruck erzeugt, der Kessel müsse als Erstes weg. Die Hülle, also Dach, Fassade und Fenster, kommt im Plan danach, oft Jahre später. Aus bauphysikalischer Sicht ist diese Reihenfolge die teurere.

Herkunft der Mehrkosten

Eine Wärmepumpe wird auf die Heizlast des Gebäudes ausgelegt, das im Moment der Installation vorliegt. An einer ungedämmten Hülle ist diese Heizlast hoch, und das wirkt an drei Stellen gleichzeitig:

  • Größere Anlage. Die Auslegung auf die hohe Heizlast des unsanierten Zustands bedeutet mehr Kilowatt Leistung, also höhere Anschaffungskosten. Dämmt man später, bleibt die überdimensionierte Anlage zurück.
  • Schlechterer Betriebspunkt. Alte Heizkörper an unsanierten Wänden verlangen hohe Vorlauftemperaturen. Die Wärmepumpe arbeitet damit auf einer niedrigeren Jahresarbeitszahl, der Stromverbrauch je Kilowattstunde Wärme steigt.
  • Verfehlte Förderkopplung. Wird die Hülle erst nach dem Heizungstausch angefasst, bleibt der Sanierungsfahrplan-Bonus (iSFP) auf die Heizung ungenutzt, der bei gebündelter Maßnahme die Förderquote anhebt.

Die Wärmepumpe folgt der Hülle, nicht umgekehrt: Erst die gedämmte Hülle legt die Leistung fest, die wirklich nötig ist.

Modellrechnung

Mehrfamilienhaus, rund 600 m² Wohnfläche, Hülle und Heizung beide fällig. Zielzustand in beiden Varianten identisch: gedämmte Hülle plus Wärmepumpe. Variiert wird allein die Reihenfolge. Beträge gerundet und illustrativ.

Position Heizung zuerst
(an ungedämmter Hülle)
Hülle zuerst,
dann Heizung
Auslegung Wärmepumpe24 kW15 kW
Anschaffung Wärmepumpe40.000 €25.000 €
Jahresarbeitszahl im Betrieb2,83,8
Stromkosten Heizung, erstes Jahr9.000 €3.100 €
Vermeidbare Mehrkosten der Reihenfolge „Heizung zuerst“ ≈ 15.000 € + 5.900 €/Jahr

Die Beträge sind gerundete Annahmen zur Illustration der Kostenstruktur, kein Angebot. Unterstellt sind ein Heizwärmebedarf von rund 150 kWh/m²a im unsanierten und rund 70 kWh/m²a im gedämmten Zustand sowie ein Wärmepumpentarif von 0,28 €/kWh. Heizlast, Arbeitszahl und Preise sind objektabhängig und im Einzelfall zu ermitteln.

Die 15.000 € sind der einmalige Mehraufwand durch die Überdimensionierung. Die rund 5.900 € jährlich entstehen, solange die Anlage auf der ungedämmten Hülle läuft, bis die Dämmung folgt. Je länger dieser Abstand, desto größer die Summe. Eine zu groß ausgelegte Wärmepumpe taktet nach der Dämmung zudem häufiger, was die Lebensdauer mindert.

Konsequenz für die Planung

Das Gesetz verlangt keinen sofortigen Heizungstausch im Bestand, sondern setzt mit steigenden Anteilen klimafreundlicher Brennstoffe einen mittelfristigen Rahmen. Dieser Spielraum lässt sich nutzen: Wird die Hülle zuerst gedämmt, sinkt die Heizlast, und die Wärmepumpe wird kleiner, günstiger und effizienter. Wo der Kessel zuerst ersetzt werden muss, etwa nach einem Defekt, ist die Auslegung auf die spätere, gedämmte Hülle zu rechnen, nicht auf den Ist-Zustand. Die Reihenfolge entscheidet hier über einen mittleren fünfstelligen Betrag.

Im Gespräch

Wir rechnen die Reihenfolge gemeinsam mit Ihnen durch.

Schicken Sie uns die Eckdaten Ihres Objekts und die anstehenden Maßnahmen. Wir bestimmen die Heizlast vor und nach der Dämmung und ordnen die Sequenz, bevor die Wärmepumpe ausgelegt wird. Kostenfrei und ohne Verpflichtung.

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