In der Vorbereitung von Sanierungsprojekten taucht ein Muster zuverlässig auf: Der Eigentümer kennt sein Gebäude gut, schätzt den energetischen Zustand aus der Erfahrung mit den Heizkosten und plant die nächste Maßnahme auf dieser Grundlage. Die Schätzung ist selten grob falsch. Sie ist präzise genug, um eine Entscheidung zu rechtfertigen, und ungenau genug, um sie teuer zu machen.
Was die Datenaufnahme wirklich erfasst
Der energetische IST-Zustand eines Gebäudes ist keine einzige Kennzahl. Er setzt sich aus mehreren Messgrößen zusammen, von denen jede eine andere Weichenstellung für die Planung auslöst. Die technische Datenaufnahme von immokonzept erhebt diese Größen gebäudescharf vor Ort, nicht aus Baujahrstatistiken:
- Hüllflächenqualität je Bauteil. U-Werte für Außenwand, Dach, Kellerdecke und Fenster werden bauteilscharf aufgenommen. Erst dieser Wert erlaubt eine rechnerisch fundierte Heizlastermittlung nach DIN EN 12831 und damit die korrekte Dimensionierung jeder Heizungsanlage.
- Wärmebrücken und Luftdichtheit. Undichte Anschlüsse an Fensterlaibungen, Rollladenkästen oder Dachübergängen verursachen Wärmeverluste, die im Energieausweis nicht auftauchen, im Heizkostenvergleich aber dauerhaft sichtbar sind. Die Aufnahme lokalisiert sie, bevor die Putzarbeiten beginnen.
- Heizungsanlage und Verteilsystem. Baujahr, Betriebstemperaturen und der hydraulische Abgleich entscheiden, ob eine Wärmepumpe im bestehenden System betrieben werden kann oder ob Heizkörper getauscht werden müssen. Diese Frage lässt sich am Schreibtisch nicht beantworten.
Die Schätzung ist präzise genug, um eine Entscheidung zu rechtfertigen, und ungenau genug, um sie teuer zu machen.
Modellrechnung
Wohngebäude, unsaniert, Baujahr ca. 1965, 300 m² Wohnfläche. Gegenüberstellung: Planung auf Basis geschätzter Hüllwerte versus Planung auf Basis gemessener Datenaufnahme. Beträge gerundet und illustrativ.
| Position | Schätzung | Datenaufnahme |
|---|---|---|
| Angenommene Heizlast (W/m²) | 90 W/m² | 68 W/m² |
| Auslegung Wärmepumpe (kW)90 × 300 ÷ 1.000 | 27 kW | 20,4 kW |
| Investition Wärmepumpe (€)Auslegung Wärmepumpe × 2.000 | 54.000 € | 40.800 € |
| Nachrüstkosten überdimensionierte Heizkörper (€)30 % × 8.000 | 2.400 € | 0 € |
| BEG-Förderung (35 % Basis, €)Investition Wärmepumpe × 35 % | −18.900 € | −14.280 € |
| iSFP-Bonus (5 %, nur bei Datenaufnahme, €)Investition Wärmepumpe × 5 % | 0 € | −2.040 € |
| Netto-Eigenanteil (€) | 37.500 € | 24.480 € |
Die Heizlast je m² ist die entscheidende Auslegungsgröße. Bei Schätzung wird typischerweise ein Zuschlag von 20–30 % angesetzt, um Risiken abzufangen. Die Datenaufnahme ermittelt den tatsächlichen Wert gebäudescharf.
Investitionskosten für die Wärmepumpe sind mit 2.000 €/kW Heizlast angesetzt, bei 27 kW also 54.000 €. In der Praxis hängt der Gerätepreis stark von Fabrikat und Systemintegration ab, marktüblich sind 1.500 bis 2.500 €/kW. Das Vorzeichen des Ergebnisses bleibt über diese ganze Spanne stabil.
Nachrüstkosten für überdimensionierte Heizkörper entstehen, wenn die Anlage auf Grundlage zu hoher Heizlast ausgelegt wurde und anschließend Niedertemperaturbetrieb nachgewiesen werden muss. Ansatz pauschal 8.000 € für ein Gebäude dieser Größe.
BEG-Basisförderquote 35 % (Bestandssanierung, Einzelmaßnahme). Der iSFP-Bonus von 5 % setzt einen gültigen individuellen Sanierungsfahrplan voraus, der seinerseits auf einer belastbaren Bestandsaufnahme beruht. Bei Schätzwerten ist der Bonus nicht förderfähig.
Die Differenz umfasst vermeidbare Investitions- und Nachrüstkosten sowie den entfallenden iSFP-Bonus. Wertveränderungen am Gebäude sind nicht Bestandteil dieser Rechnung.
Konsequenz für die Planung
Eine Datenaufnahme kostet Zeit und einen überschaubaren Betrag. Sie spart das Mehrfache davon, sobald die erste Anlage falsch dimensioniert ist oder ein Förderbonus mangels Nachweisgrundlage nicht ausgezahlt wird. Für Eigentümer, die in den nächsten drei bis fünf Jahren eine Heizungsanlage erneuern, eine Fassade dämmen oder einen Sanierungsfahrplan erstellen lassen wollen, ist die belastbare Bestandsaufnahme die einzige Grundlage, auf der eine Maßnahmenentscheidung wirtschaftlich vertretbar ist. Was nicht gemessen wurde, lässt sich nicht planen, und was nicht geplant ist, lässt sich nicht fördern.
Wir zeigen Ihnen, was eine Datenaufnahme für Ihr Gebäude konkret erfasst und was sie verändert.
Schreiben Sie uns kurz, welche Maßnahme Sie als nächstes planen. Wir sprechen in einem ersten Gespräch darüber, welche Ausgangsdaten dafür vorliegen müssen und wie wir sie gemeinsam erheben. Kostenfrei und ohne Verpflichtung.
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